Heritage Conservation Center Ruhr (HCCR) – Ein übergreifender Ansatz zum nachhaltigen Umgang mit dem industriellen Erbe der Metropolregion Ruhr

„Was soll unternommen werden?

Industriekultur ist ein akzeptiertes Thema an der Ruhr. Deshalb wurden gerade hier technische Lösungen zur Erhaltung und Nutzung des industriellen Erbes unter Berücksichtigung seiner kulturellen Aussagen gesucht und gefunden. Materialforscher, Ingenieure, Architekten, Denkmalpfleger, Produkthersteller, etc. arbeiten auf diesem Feld zusammen. Die Kooperation findet dabei jedoch zumeist auf Projektebene zwischen einzelnen Akteuren statt. Ein interdisziplinärer Austausch beschränkt sich derzeit auf informelle Foren und vereinzelte Workshops und Konferenzen. Es gibt keine übergreifenden, festen Strukturen und Abläufe, in denen Hochschulen, außeruniversitäre Forschung, Praktiker der Kulturbetriebe und Anbieter von Produkten und technischen Leistungen gezielt zusammenarbeiten können, um gemeinsam die bestehenden Lösungsansätze zu optimieren und zu verfeinern. Es fehlt die Basis um Innovationen gezielt zu unterstützen. Seit vielen Jahren wünscht man sich an der Ruhr daher eine ‚Expertenplattform‘, ein ‚Kompetenzzentrum Industriekultur‘ oder einen Thinktank ‚Umgang mit Industriedenkmälern‘, mit und in dem Wissenschaft und Praxis breit vernetzt zusammenarbeiten. Eine entsprechende Einrichtung existiert bisher nicht. Neben der gemeinsamen Arbeit in und für die Metropolregion Ruhr hätte eine solche Einrichtung das Potential ein gefragter Ansprechpartner für andere Regionen, national und international, mit entsprechenden industriellen Zeugnissen zu werden. Dies erscheint gerade jetzt wichtig, da das Ruhrgebiet mit dem Ende des Steinkohlebergbaus 2018 eine besondere Zäsur erlebt, die durch den qualitätsvollen Umgang mit den baulichen Zeugnissen positiv beeinflusst werden kann.

Die Technische Hochschule Georg Agricola (THGA), das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM) und die Stiftung Zollverein wollen als Initiativgruppe gemeinsam eine solche Plattform schaffen, das Heritage Conservation Center Ruhr (HCCR). Die THGA bringt sich mit ihrem neuen Masterstudiengang Industrial Heritage Preservation and Material Engineering (IHPME) ein und will den Transfer von aktuellen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen in die Region voranbringen. Das DBM setzt auf seine breite Expertise aus umfangreichen Aktivitäten im Feld der Bewahrung, Vermittlung und Nutzung des industriellen Erbes, die Stiftung Zollverein bringt umfassende Erfahrungen in der Transformation der ehemaligen Zeche und Kokerei Zollverein zu einem etablierten Zukunftsstandort mit. Alle drei Institutionen beabsichtigen dabei ihre breiten Netzwerke im Hinblick auf den Umgang mit Industriedenkmälern zu bündeln und damit das notwendige Potential von weiteren Teilnehmern für das HCCR zu schaffen.

Das HCCR wird einen festen Standort und damit Anlaufpunkt auf dem Welterbe-Strandort Zollverein haben. Hier soll in regelmäßigen Foren, Workshops und Tagungen der Austausch und die Zusammenarbeit gezielt angeboten und organisiert werden. Dies kann über eine kleine Geschäftsstelle organisiert werden. Langfristig ist geplant, durch die im Austausch aufgeworfenen Fragen gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen, Projekte anzuregen, Finanzierungsquellen zu identifizieren und die Entwicklungsarbeiten gezielt umzusetzen.

Welche Ziele sollen erreicht werden?

Mit dem HCCR soll ein Ort des Austausches und der übergreifenden Zusammenarbeit geschaffen werden: ein Ort wo Wissenschafts- und Kulturinstitutionen, Behörden und Firmen zusammenarbeiten und ihr Wissen zum Erhalt des industriellen Erbes zum einen kanonisieren und zum anderen gemeinsam erweitern. Dieses Wissen soll zu Best-Practice-Lösungen für eine zielgerichtete Erhaltung von Industriedenkmalen führen. In der Forschung können damit Fragen sehr zielgerichtet entwickelt und potentielle Lösungen rasch auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Für den (wissenschaftlichen) Nachwuchs in der Lehre sind relevante Praxisbeispiele und die Kompetenz der verschiedenen externen Wissenschaftler stark stimulierend. Für die Praxis ist der kontinuierliche Verbesserungsgedanke, der einer solchen Einrichtung immanent ist, von großen Vorteil. Die wirtschaftlich orientierten Beteiligten profitieren sowohl vom Innovationsklima als auch von den jungen Fachleuten (Studierenden), die hier früh in die Zusammenarbeit eingebunden werden.

Welche Zielgruppe möchten Sie ansprechen?

Nutznießer des HCCR sind Denkmalbehörden, Stiftungen, Denkmalbetreiber, Museen und Unternehmen der Denkmalpflege, Restauratoren, Architekten, Vereine, Firmen und Privatpersonen, die sich mit dem Erhalt und der Nutzung des industriellen Erbes beschäftigen oder hiervon betroffen sind. Dabei wird sowohl die Ebene der Zusammenarbeit/des Wissenserwerbs wie auch die Ebene des Transfers/der Vermarktung abgedeckt.

Ein weiterer Fokus liegt darauf, junge Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren, ihnen über den Studiengang IHPME an der THGA die Möglichkeit zu geben, einen Einstieg in das Thema zu finden und darüber hinaus Kontakte zu potentiellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern herzustellen."

Der vorliegende Vorschlag wurde an folgende Themenforen weitergegeben:

15. Strahlkraft und Wirkung der Wissenschaftslandschaft erhöhen

17. Das Ruhrgebiet als weltweit vernetzte Innovationsregion

Weiterführende Informationen zu allen Themenforen finden Sie unter www.land.nrw/de/themenforen-der-ruhrkonferenz.

Alle Beiträge wurden redaktionell bearbeitet. Originalpassagen sind durch An- und Abführung kenntlich gemacht, Kürzungen durch (…).