Satellitengestütztes Biodiversitäts-Monitoring auf Hinterlassenschaften der Montanindustrie

„Es sind eindrucksvolle Erhebungen in der sonst eher flachen Landschaft und vom Menschen geschaffene Gebirge. Die Berge von nacktem Gestein als Nebenprodukt aus dem Bergbau und der Stahlindustrie sind oder werden zumeist rekultiviert und bilden ideale Aussichtspunkte, Naherholungsgebiete und grüne Oasen inmitten dem dichtbesiedelten Ruhrgebiet. Das Spektrum reicht von monumentalen Landschaftsbauwerken und Tafelbergen von der halben Höhe des Eiffelturms über Wald- und Wiesenhalden aus dem frühen Bergbau bis zu abgetragenen Halden, die überbaut wurden. Die über das gesamte Ruhrgebiet verteilten Halden bilden ein wichtiges Rückgrat der grünen Infrastruktur. Im Besitz des Regionalverbands Ruhr befinden sich 30 Bergehalden. Noch etwa die gleiche Anzahl befindet sind im Besitz der RAG oder von Gemeinden. Gemeinsam ergibt dies ein großes Entwicklungskonzept über verschiedene Nutzungsoptionen. In diesen Entwicklungskonzepten hat die Biodiversität einen besonderen Stellenwert.

Es handelt sich um Extremstandorte hinsichtlich Nährstoffgehalte, Temperaturen und Trockenheit, die es in der Umgebungslandschaft nicht oder nicht mehr gibt. Diese Extremstandorte geben daran angepassten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, den sie im Umfeld kaum noch finden. Somit stellen diese Standorte häufig Habitate dar für Amphibien, Reptilien, Heuschrecken aber auch diverse seltene Pflanzenarten bzw. Pflanzengesellschaften.

Mit zunehmender Sukzession entwickeln sich Vorwaldstadien, die zu einem Verlust der Standortextreme führen. Dies führt, zeitlich versetzt zu einem Verlust der seltenen Arten und damit der Bedeutung für die Biodiversität.

Im Zuge eines Managements könnte die Sukzession so gesteuert werden, dass die Biodiversität nachhaltig erhalten bleibt. Dies könnte z.B. durch rechtzeitigen Rückschnitt oder Rodung von Gebüschsukzession erfolgen.

Mit einer Satellitenauswertung könnten auf den Halden die Biotoptypen identifiziert und kartiert werden. Eine folgende örtliche Begutachtung würde deren Biodiversität feststellen und notwendige Managementmaßnahmen beschreiben. Es wäre dann bei einer kontinuierlichen sowie zeitlich und räumlich hochaufgelösten Satellitenbeobachtung feststellbar, wann diese Maßnahmen umzusetzen wären. Sollte dies nicht der Fall sein, wären weitere Handlungsoptionen frühzeitig möglich. Bei der Größe der Dimension mit mehreren tausend Hektar Haldenflächen steht bisher keine Methode zur Verfügung.

Als erster Schritt wäre eine Machbarkeitsstudie anzufertigen, mit der die Praktikabilität dieser Methode an einer Halde beispielhaft erprobt würde. Sollte dies positiv ausfallen, stände mit dieser Methode für die Entwicklung der ca. 60 Großhalden an der Ruhr ein wesentlicher Beitrag zur Abwägung zwischen ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten zur Verfügung."

Der vorliegende Vorschlag wurde an folgendes Themenforum weitergegeben:

14. Grüne Infrastruktur Metropolregion Ruhr

Weiterführende Informationen zu allen Themenforen finden Sie unter www.land.nrw/de/themenforen-der-ruhrkonferenz.

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