Paten für Arbeitslose

„(…) Denkbar sind freiwillige Helfer, die als Patinnen und Paten (Langzeit-) Arbeitslose unterstützen. Auf die Idee bin ich gekommen, nachdem ich festgestellt habe, dass selbst Führungspersonen in Wirtschaft und Verwaltung durch Mentoring/Coaching an die Hand genommen werden. Wäre eine solche individuelle Betreuung nicht erst recht für Arbeitslose mit multiplen Arbeitsmarkthemmnissen notwendig und zielführend?

Deshalb meine Idee: Neben dem Ansprechpartner beim Jobcenter (§ 14 Abs. 1 Satz 2 SGB II) sollen Arbeitslose gefragt werden, ob sie einen ehrenamtlichen Paten an die Seite gestellt bekommen möchten. Hierbei handelt es sich um ehrenamtliche (externe) Helferinnen und Helfer, die mittels caritativer Vereine, Freiwilligenlisten, Wirtschaftsverbänden etc. rekrutiert werden. Für ihren (erfolgreichen) Einsatz bekommen sie eine kleine Aufwandentschädigung, Steuervorteile, Ehrung durch Landesverdienskreuz etc.

Die Patinnen und Paten unterstützen ihre Schützlinge dabei, einen Fuß in die Türe zu bekommen (Tippgeber für offene Stellen, Hilfe bei Bewerbungsschreiben) und genießen Methodenfreiheit. Dabei ist bewusst Raum zu lassen für unkonventionelle/disruptive Methoden (Über Sport/Gesellschaftliche Teilhabe zum geregelten Tagesablauf). Zudem kann die Intelligenz, Kreativität und Erfahrung der Leute ausgenutzt werden. Denn abseits der professionellen Amtsstuben erhält man sehr oft Kenntnis von günstigem Wohnraum, potentiellen Arbeitgebern, Betriebsabläufen etc.

Die Jobcenter machen mit: Sie halten Listen vor für Arbeitslose, die eine Patin oder einen Paten suchen und Personen, die als solche tätig werden wollen, sie leiten offene Stellen an die Patinnen und Paten weiter, können im Einzelfall mit  Bewerbungs- und Sprachtraining, Kinderbetreuung, Einstiegsgeld (§ 16b SGB II), Freier Förderung (§ 16f SGB II) helfen. Die Jobcenter bieten also einen Rahmen, der die Patinnen und Paten unterstützt.

Ich könnte mir vorstellen, dass diese System in einem Modell-Jobcenter erprobt wird. Beispielhaft für die Essener Optionskommune: Essener-Paten. In diesem JC entsteht dann eine Art ,Think-Tank‘ aus JC-Vertreterinnen und -Vertretern, Sozialrichterinnen und -richtern, Sozialverbänden, Jugendämtern, Kommunalpolitikerinnen und -politikern, Geistlichen unterschiedlicher Konfessionen, Vereinen etc.). In diesem Kreis wird dann ein Ablaufplan erarbeitet, der stichwortartig wie folgt sein könnte:

Alle Arbeitslosen in der Modell-Kommune bekommen einen Zettel, in dem das Modell vorgestellt wird. Motto: "Essener lassen keinen zurück" und können sich in eine Liste eintragen.

Gleichzeitig wird das Modell in der lokalen Presse, in den sozialen Medien, in Ämtern beworben. Beruflich erfolgreiche Verwandte und Bekannte der Arbeitslosen können angesprochen werden. Jede Patin und jeder Pate kann sich anschließend in eine Liste beim JC eintragen lassen.

Gleichzeitig werden lokale Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber angeschrieben (die 20/30/50 größten), bei dem Angebot aktiv mitzumachen (Sparkassen-Mitarbeiterinnen als Patinnen und Paten, die Belegschaft der Stadtwerke etc.)

(...)

Ich muss einräumen, dass mein Modell über das Stadium eines Brainstormings nicht hinausgekommen ist. Gleichzeitig bin ich der festen Überzeugung, dass viele Personen in ihrer Erwerbsbiografie einen MentorInnen/PatInnen/UnterstützerInnen hatten, der/die sie davor bewahrt hatten arbeitslos zu werden, aufzugeben usw. Positive Vorbilder sind nicht nur für Kinder und Jugendliche wichtig, sondern haben auch auf Erwachsene einen wichtigen Einfluss.

Meine Ausführungen sollen zudem nur als Diskussionsbeitrag verstanden werden. Gerne würde ich meine Überlegungen im Austausch vertiefen oder mich mit anderen Berufsträgern austauschen.  Sollten zudem ähnliche Modelle bereits bestehen, wäre ich an einer Teilnahme/ Mitarbeit interessiert."

Der vorliegende Vorschlag wurde an folgende Themenforen weitergegeben:

01. #Chancen, #Vielfalt, #Aufstieg

10. Beste Bildungschancen unabhängig von Ort und Herkunft - Talentschulen als Modelle für individuelle Förderung

20. Gemeinsames Engagement von Zivilgesellschaft und Wirtschaft

Weiterführende Informationen zu allen Themenforen finden Sie unter www.land.nrw/de/themenforen-der-ruhrkonferenz.

Alle Beiträge wurden redaktionell bearbeitet. Originalpassagen sind durch An- und Abführung kenntlich gemacht, Kürzungen durch (…).