Radwegenetz, das diesen Namen auch verdient

„Angesichts der steigenden Zahl von Pedelec-Nutzern, der dadurch steigenden Reichweiten von Alltagsradlerinne und-radlern, der Verkehrswende-Diskussionen und der völlig überlasteten Verkehrsinfrastruktur muss dringend ein ruhrgebietsübergreifendes Radwegenetz errichtet werden. Die Infrastruktur für Radfahrerinnen und Radfahrer ist im Ruhrgebiet auf dem Stand der 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts. In vielen Städten gibt es kaum Radwege, zwischen den Städten eigentlich gar nicht, und in den größeren Städten nur abschnittsweise nutzbare kleine Schnipsel, die aber fast immer in irgendwelchen gefährlichen Situationen enden. Wenn das (Elektro-)Fahrrad im Ruhrgebiet eine Chance als Alltagsverkehrsmittel haben soll, muss es möglich sein, damit nennenswerte zusammenhängende Strecken sicher und zügig (!!!) zurückzulegen. Dazu müssen folgende Teilprojekte erledigt werden:

- Aufnahme aller unzureichenden oder gefährlichen bestehenden Teilstücke. Beispielsweise Radwege, die abrupt in einem Bushaltestellenhäuschen enden, in einem Parkplatz, ohne Einfädelmöglichkeit an unübersichtlichen Stellen im Autoverkehr oder sogar im Gegenverkehr, an 20 cm hohen Bordsteinen, oder Slalomfahrten zwischen Fußgängerabschnitten, Schildern, Grünanlagen usw usw. mit medial (WDR usw.) beworbener Bürgerbeteiligung. Radfahren im Ruhrgebiet ist irgendwas zwischen Krieg und Spießrutenlauf, da wird es unzählige Eingaben geben, siehe Fahrradklimatest. Daraufhin Überprüfung und durchgreifende Beseitigung der Gefahrenstellen. Die in diesem Zuge erstellten Karten können in die anderen Teilprojekte einfließen.

- Lückenschlüsse für alle vorhandenen, oft nur wenige hundert Meter langen Teilstücke errichten, damit die vorhandenen Wege überhaupt einen Sinn bekommen.

- Verbindungen zwischen den Städten herstellen! An jeder Verbindungsstraße zwischen Städten (meist Landes- oder Bundesstraßen) muss es einen baulich getrennten Radweg geben, der ohne Gefahr zu erreichen und zu nutzen ist. Das Leben im Ruhrgebiet erfordert ständigen Wechsel über Stadtgrenzen und fast nirgendwo gibt es Radwege für diesen Wechsel. Radfahrerinnen und Radfahrer müssen sich die Fahrbahn, stellenweise sogar ohne Randstreifen, mit 70 oder 100 fahrenden Kraftfahrzeugen teilen, was ständige Lebensgefahr bedeutet. Ein vollkommen unzumutbarer Zustand, der eines modernen Industrielandes nicht würdig ist.

Übergeordnet muss es für das gesamte Ruhrgebiet einen Plan geben, der dafür sorgt, dass möglichst viele Ziele für möglichst viele Menschen gut erreichbar sind. Dabei müssen Einkaufsmöglichkeiten, große Arbeitgeber, dichte Wohnbebauung usw. berücksichtigt werden.

Bei der Errichtung der neuen Infrastruktur ist darauf zu achten, dass der Eingriff in andere Verkehrsströme so gering wie möglich bleibt, denn eine Politik gegen das Auto ist im Ruhrgebiet aus guten Gründen aussichtslos. Weiterhin dürfen touristische Wege wie z. B. der Ruhrtalradweg oder der Weg um den Kemnader See nicht als Fahrradinfrastruktur gelten. Solche Wege sind oft voller unachtsamer und oft sehr rücksichtsloser Spaziergängerinnen und Spaziergänger, teils werden Radfahrerinnen und Radfahrer mit Schildern zum Langsamfahren aufgefordert, ein zügiges Vorankommen ist damit vollkommen unmöglich. Damit scheiden solche Wege als Alltagsinfrastruktur ebenso aus wie Fußgängerzonen, die Alltagsradlerinnen und -radler teilen sich dann oft lieber den Weg mit den 70 fahrenden Autos, weil das weniger gefährlich ist, als sich durch die Fußgängermassen zu quälen. Touristenradwege taugen weder als Alibi noch als Feigenblatt, wir brauchen leistungsfähige Wege mit denen Radfahrerinnen und Radfahrer schnell von A nach B kommen.

Und, wenn man schon mal den ersten halben Schritt zu einer zeitgemäßen Verkehrsinfrastruktur geht, sollte auch vorgeschrieben werden, dass eine feste Quote von Anschließbügeln (nicht Fahrradständer!) für öffentlich nutzbare Parkplätze (z. B. von Supermärkten, Behörden, Firmen etc.) einzuhalten ist. Wenn man nur einen Anschließbügel pro fünf PKW-Stellplätze in der Bauordnung vorschriebe, wären alle Abstellprobleme für Radfahrer gelöst."

Der vorliegende Vorschlag wurde an folgendes Themenforum weitergegeben:

13. Neue Mobilität

Weiterführende Informationen zu allen Themenforen finden Sie unter www.land.nrw/de/themenforen-der-ruhrkonferenz.

Alle Beiträge wurden redaktionell bearbeitet. Originalpassagen sind durch An- und Abführung kenntlich gemacht, Kürzungen durch (…).