Menschen in der Sportregion Ruhr: Ein Oral-History-Projekt zur nachhaltigen Aufarbeitung der Sportgeschichte von Nordrhein-Westfalen

Zur nachhaltigen Sicherung des kulturellen Erbes der Sportregion Ruhr soll ein Online-Archiv mit rund 50 lebensgeschichtlichen Videointerviews mit (ehemaligen) Aktiven und Verantwortlichen im Sport entstehen. Durch das Online-Archiv wird sichergestellt, dass die Erinnerungen und das Wissen über den Sport im Ruhrgebiet im kulturellen Gedächtnis der Region lebendig und darüber hinaus für die wissenschaftliche Forschung verfügbar bleiben.

Die Erinnerungen von Offiziellen und Aktiven im Sport sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes des Sports. Das Ruhrgebiet, mit seinen zahlreichen Profi-Klubs, mit Zehntausenden von aktiven Fußballspielern und einer millionenfachen Schar begeisterter Anhänger, gilt als eines der wichtigsten Fußballzentren der Welt. Die geradezu übermächtige Präsenz des Fußballs hat jedoch den Blick auf die Sportlandschaft der Region in der Breite verstellt und dazu beigetragen, dass die vielfältige Sportgeschichte des Ruhrgebiets in Vergessenheit zu geraten droht. Dabei hat diese eine reiche Historie. Die Geschichte der Sportregion Ruhr soll deshalb für einen breiten Kreis von Interessierten mit den spezifischen Möglichkeiten der Oral History nachhaltig, digital aufgearbeitet und nutzbar gemacht werden. Im Fokus sollen Überblicksdarstellungen und zusammenhängende Betrachtungen stehen sowie Studien zu herausragenden Personen des Sports im Ruhrgebiet.

Ob Sechstagerennen oder Boxwettkämpfe, ob Ruhrolympiade oder World Games, ob herausragende Sportlerinnen und Sportler, wie Helmut Rahn, Stan Libuda, Annegret Richter oder Jochen Fraaz, ob Politikerinnen und Politiker oder Funktionärinnen und Funktionäre wie Willi Weyer oder Willi Daume, ob herausragende Events oder besondere Sportstätten – die Geschichte der Sportregion Ruhr soll für einen breiten Kreis von Interessierten mit den spezifischen Möglichkeiten der Oral History nachhaltig aufgearbeitet und nutzbar gemacht werden.

Die Weitergabe von Erfahrungen an nachfolgende Generationen in visualisierter und personifizierter Form ist erfolgreicher und nachhaltiger als andere Formen der Dokumentation. Mit Blick auf diese Prämisse sind insgesamt 50 Interviews vorgesehen, die als halboffene und narrative Gespräche konzipiert werden. Die Interviews sollen dabei aus zwei Teilen bestehen: In einem freien Teil wird der/die Interviewte – geleitet durch eine allgemeine Ausgangsfrage – gebeten, zusammenhängend über seine/ihre sportbezogene Lebensgeschichte zu berichten. Der zweite Teil beruht auf einem im Rahmen des Projekts entwickelten Fragenkatalog, der situativ und je nach dem zu erwartenden Erfahrungshorizont angepasst wird.

Die Gespräche mit Zeitzeugen des Sports sollen aufgrund ihrer Bedeutung für die mentale und kulturelle Identität des Landes für alle interessierten Menschen uneingeschränkt offen und verfügbar sein. Dies kann durch ein im Internet zugängliches Online-Archiv als öffentliche Plattform realisiert werden. Das historische Erbe der Sportregion Ruhr, das in materieller Form und verschriftlicht in Gestalt von Museen und Archiven bereits ein gutes Stück weit gesichert ist, wird durch eine Erweiterung um das lebendige Gedächtnis von Menschen im Sport vervollständigt.

Kommentare (2)

Niklas

ID: 134 03.07.2019 11:32

Um auch Randsportarten eine Plattform zu geben, eine gute Idee. Vielleicht sollte man die Interviews aber auch ausweiten z.B. auf Ehrenamtler im Sport, die für ihr Engagement geehrt wurden. Interessant wären auch Interviews mit Menschen aus dem Sport-Inklusionsbereich.

Gerade auch die Weitergabe von Erfahrungen dieser Menschen, kann den Sport weiterbringen.

Lars

ID: 131 28.06.2019 23:32

Zur Darstellung der Vielfältigkeit des Sports im Ruhrgebiet, welche oftmals durch die Dominanz des Fußballs untergeht, finde ich die Idee eines ansprechenden Online-Archivs sehr sinnvoll.